Luftgewehr-Aussenballistik  

VORBEMERKUNG:

Ballistik ist die "Wissenschaft von der Bewegung von Projektilen". In dieser engeren Betrachtung geht es spezifischer um die Bewegung von Geschossen, also um alle möglichen physikalischen Parameter, wie Geschwindigkeit, Energie, Geschoßlugbahn usw. Grundsätzlich unterscheidet man "Innenballistik" und "Außenballistik". Erstere umfaßt alle Vorgänge, die in der Waffe ablaufen, um ein Geschoß aus dem Lauf zu treiben. Bei einer Feuerwaffe ist dies die Zündung und Verbrennung des Pulvers, der sich dabei aufbauende Gasdruck und die Bewegung des Geschosses bis zur Mündung. Bei einem Luftgewehr sind dies etwas andersartige Vorgänge, wobei es darauf ankommt, um welchen Typ es sich handelt. Dies wird in der Rubrik "Luftgewehr-Geheimnisse" genauer erklärt. Hier interessiert nämlich nur die Außenballistik, also alles, was das Geschoß betrifft, wenn es den Lauf verlassen hat. Es gibt sog. ballistische Tafeln, aus denen man solche Werte ablesen kann, was aber heute nicht mehr zeitgemäß ist. Dafür gibt es eine große Auswahl von Computerprogrammen, mit denen man -vorausgesetzt man weiß bestimmte Daten- ganz speziell Berechnungen für die eigene Waffe und die dazugehörige Munition durchführen kann. Viele dieser Programme sind kostenlos erhältlich; sie sind aber meist recht einfach. Trotzdem reichen sie für den "täglichen Gebrauch" des Luftgewehrs in der Regel aus. Besser ausgestattete Software hat ihren Preis, aber man sollte genau überlegen, ob sich für Luftgewehrballistik (und speziell für das FTS) größere Investitionen lohnen. Im Text finden sich entsprechende Links und Hinweise.

THEORETISCHE GRUNDLAGEN MIT PRAKTISCHEN HINWEISEN:

Es ist sicher nützlich, hier ein paar allgemeine und spezielle Grundlagen darzustellen. Das, was jetzt kommt, entstammt größtenteils dem niemals rastenden Gehirn von Ian Pellant, der sich intensiv mit Luftgewehrballistik befaßt hat und auch ein schönes kostenloses spezielles Luftgewehr-Ballistikprogramm zum Download bei http://www.hsv.tis.net/~ispellan/Software.html anbietet. Wer die umfangreicheren originalen Texte in englischer Sprache hierzu lesen will, kann dies bei http://www.hsv.tis.net/~ispellan/AirgunBC.html tun, was zu empfehlen ist. Er hat mir erlaubt, seine Weisheiten hier nach meinem Geschmack aufzubereiten und zu präsentieren. Also behandeln wir jetzt 7 Punkte:

1. Alle Lufgewehre haben eine begrenzte maximale "Stärke" (vorgegeben durch die Konstruktion), die zwar vermindert, aber niemals (ohne technische Eingriffe) erhöht werden kann.

2. Diese "Stärke" wird ausgedrückt durch die "Mündungsenergie" (Vo), die nach der Newtonschen Gleichung berechnet wird: 1/2 x Masse x Geschwindigkeit im Quadrat. Je nach den verwendeten Maßeinheiten (metrisch oder imperial) wird das Ergebnis in Joule (J) oder Foot-Pounds (ftp) ausgedrückt, Einheiten für "Arbeit". Zur Verdeutlichung: Wenn man einen Eimer voll Wasser hochhebt, wendet man Energie als Arbeit auf. Eimer und Wasser enthalten nun die aufgewendete Energie als potentielle Energie. Diese wird wieder in Arbeit zurückgeführt, wenn man beides fallen läßt. Stark vereinfacht ist also die "Stärke" eines Luftgewehrs die potentielle Energie, die in Arbeit umgewandelt wird, wenn das Diabolo abgeschossen wird. Wenn man also die Geschwindigkeit des Diabolos an der Laufmündung mißt, kann man die Energie berechnen, die es "in sich hat" und die als Arbeit aufgewendet wird, um es seine Bahn durch die Luft zum Ziel fliegen zu lassen. Bis jetzt klingt das alles noch recht einfach.

Die Newtonsche Gleichung ist ein "Gesetz des umgekehrten Quadrats". Man muß sich das als einen Bruch vorstellen, in dem die Geschwindigkeit im Quadrat der Nenner ist. 2 im Quadrat ist 4, 4 im Quadrat ist 16 usw. Daher braucht man die vierfache Energie, um ein Objekt auf die doppelte Geschwindigkeit zu beschleunigen und die 16-fache, um vierfache Geschwindigkeit zu erreichen, usw. usw.. Ein Projektil, das mit einer bestimmten Geschwindikeit fliegt, ist einem 4-fach höheren Luftwiderstand ausgesetzt als wenn es mit der Hälfte dieser Geschwindigkeit fliegt (vorausgesetzt: linearer Widerstand unterhalb der Schallmauer). Die Newtonsche Gleichung ist nicht linear und daher schwieriger zu handhaben als eine lineare. Hier ist ein Beispiel: Wenn man aus einem Luftgewehr mit einer Mündungsenergie von 16,3 Joule ein Diabolo mit 16 Grains Gewicht (ich benutze ganz inkonsequent bei Geschoßgewichten immer diese alte britische Apothekergewichtseinheit! 1 Grain = 0,0648 Gramm) abschießt, wird dieses eine Mündungsgeschwindigkeit von ca. 177 Metern pro Sekunde (m/sec) entwickeln. Verschießt man aus der gleichen Waffe ein Diabolo mit nur 8 Grains Gewicht, dann ist die Mündungsgeschwindigkeit ca. 251 m/sec. Die Differenz dieser Geschwindigkeiten ist ein Faktor, der der Quadratwurzel von 2, also ca. 1,4 entspricht. Also: die Verwendung von einem nur halb so schweren Diabolo in dem 16,3-Joule-Luftgewehr bringt nicht die doppelte Mündungsgeschwindigkeit, sondern nur die 1,4-fache! Wenn man nun das 16-Grain-Diabolo auf die gleiche Geschwindigkeit wie das halb so schwere bringen möchte, muß man ein Luftgewehr mit doppelt so hoher Mündungsenergie verwenden, also 32,6 Joule. Alles klar? Wie steht es aber mit der Energie der beiden verschiedenen Diabolos, wenn sie mit dem 16,3-Joule-Gewehr verschossen werden? Sie besitzen die gleiche Energie, auch wenn die Geschwindigkeit um den Faktor 1,4 differiert!

3. Das ist aber noch längst nicht alles, denn jetzt kommt noch der Luftwiderstand ins Spiel. Und schon wieder haben wir ein "umgekehrtes Quadrat": der Luftwiderstand nimmt mit der Geschwindigkeit im Quadrat zu. Wenn man also die Geschoßgeschwindigkeit verdoppelt, vervierfacht sich der Luftwiderstand. Dies bedeutet beim obigen Beispiel, daß das leichtere Diabolo schneller an Geschwindigkeit verliert als das langsamere schwerere. Dies ist wichtig für die Schießpraxis: wenn man am Ziel mehr "Schlagkraft" benötigt (oft wichtig bei FTS), dann empfiehlt es sich, schwerere Diabolos zu verwenden, weil sie langsamer fliegen, was weniger Luftwiderstand erzeugt. So behalten sie mehr Energie. Dies ist aber nicht allgemeingültig. In Großbritannien ist die Mündungsenergie für FTS-Wettkämpfe bei maximal 16,3 Joule festgelegt (was wahrscheinlich auch hier in Deutschland kommen wird). Man muß sich nun erinnern: ein Field Target fällt nur um, wenn die Kill-Zone getroffen wird. Wenn man deren Rand trifft, zerplatzt in der Regel das Diabolo und nichts passiert. Die statistische Wahrscheinlichkeit, daß dies nicht geschieht, nimmt logischerweise mit sinkendem Geschoßdurchmesser ab, weshalb fast alle FT-Schützen das Kaliber .177 verwenden. Da hängt es natürlich von der "Umfallempfindlichkeit" der  Ziele ab! Aber keine Angst: die Nockover- oder Air Arms-Ziele fallen noch mit einer Auftreffenergie von 1 (!) Joule um. In den U.S.A kann das aber anders sein.

4. Alle Diabolo-Formen haben ungefähr den gleichen Luftwiderstand. Wenn man ein Diabolo betrachtet und dabei an Aerodynamik denkt, kann echte Verzweiflung aufkommen: ungünstiger kann es nicht sein! Die enge "Taille" erzeugt einen negativen Luftdruck, der über das hohle Hinterende fließt und dort gewaltige Turbulenzen erzeugt, weil er sich mit Luft unter normalem Druck vermischt. Der Kopf des Diabolos erzeugt zwar eine Druckwelle um es weiterzutreiben, aber die Vermischung von Luft verschiedenen Drucks am hohlen Ende erzeugt einen hohen Widerstand. Man könnte nun meinen, daß spitze Diabolos in dieser Hinsicht positiver wären, doch das scheint nicht so zu sein. Vater und Sohn Cardew (The Airgun from Trigger to Target. s. Literatur-Rubrik) fanden in umfangreichen Windkanal-Versuchen heraus, daß es da nur vernachlässigbare Unterschiede gibt. Daher kann man getrost davon ausgehen, daß alle Diabolos den ungefähr gleichen Luftwiderstandskoeffizienten bei gleicher Geschwindigkeit haben, sofern sich das alles unterhalb der Schallgeschwindigkeit abspielt.

5. Die Erdanziehung (Schwerkraft,Gravitation, G) ist in der Ballistik ein Annäherungswert, weil sie weltweit keinen festen Wert darstellt. Hierzu muß man sich klarmachen, daß "Gewicht" nicht = "Masse" ist! Man "wiegt" hier auf der Erde Sachen, z.B. 1 kg Rindfleisch. Das "Gewicht" ist aber die durch die Gravitation beschleunigte Masse, und da die Erdanziehung mit der Entfernung vom Erdmittelpunkt variiert, hat man auf ca. 9,5 m pro Sekunde im Quadrat approximiert.  G ist essentiell für die Ballistik, denn man muß es in die Newtonsche Gleichung einbringen, um mit dem Geschoßgewicht anstelle der Geschoßmasse zu rechnen. Daher ist die Verwendung dieser Approximation ein Unsicherheitsfaktor in allen ballistischen Berechnungen. Aber wer kennt schon das spezielle G für seinem Schießstand?? Man wird später verstehen, daß dies für Luftgewehre sowieso alles nicht sehr relevant ist.

6.  "Die ballistische Trajektion ist eine Funktion der Flugzeit, die eine Funktion der Geschindigkeit ist, die ihrerseits eine Funktion der Energie ist, die durch den Luftwiderstand vermindert wird" (Originalzitat von Ian Pellant). Das klingt kompliziert, ist aber verständlich zu machen:

Der Fall eines Projektils während seiner Flugzeit hat nichts mit dessen Gewicht zu tun. Man muß sich an den Physikunterricht erinnern: eine schwere Kanonenkugel und eine leichte Feder fallen in einem luftleeren Raum aus gleicher Höhe gleichzeitig zu Boden. Die zweite Feststellung klingt banal: eine Tonne Blei und eine Tonne Federn haben das gleiche Gewicht. Wenn man oberflächlich Federn und Blei vergleicht, dann drängt sich vordergründig auf, daß Blei "massiver" als Federn ist. Aber: Gewicht ist eine Funktion von Masse, die durch die Gravitation beschleunigt wird. Das Volumen hat damit überhaupt nichts zu tun. Der Fall von Gegenständen beinhaltet also die von der Gravitation abhängige Beschleunigung und ist nicht von seiner Masse abhängig. Man kann dies auch anders ausdrücken: ein langsam fliegendes Diabolo braucht mehr Zeit um über eine gegebene Entfernung zu fliegen als ein schnelles (logo!), doch das langsamere fällt mehr. Und das ist nicht so, weil ein schwereres Diabolo schwerer ist. Es fällt stärker, weil es langsamer ist!

Noch ein paar Ballistikregeln gefällig? Hier sind noch zwei. a. Der Luftwiderstand ist eine Funktion von Oberfläche, Fallkoeffizient, Geschwindigkeit und der Dichte der Luft. Er hat nichts mit der Masse eines Geschosses zu tun. b. Die in einem sich bewegenden Körper befindliche Energie ist eine Funktion von Masse und Geschwindigkeit.

7. Es gibt jetzt aber noch einen Parameter, an dem sich in der Luftgewehr-Ballistik die Geister scheiden. Alle ballistischen Berechnungen basieren auf sog. G-Luftwiderstandsfunktionen, die meisten auf der G1-Funktion (G1-Tabelle). Diese ist die Bezugsfunktion der Schußtafeln in der überwiegenden Zahl der Wiederladehandbücher und m. W. beruhen auch die gebräuchlichen Ballistik-Computerprogramme auf dieser. Das originale G1-Modellgeschoß ist ein Spitzgeschoß mit Flachboden und hat die 3.28-fache Länge des Kalibers, das m. W. 1 Zoll ist (also ein ganz schöner "Brummer). Sein Gewicht beträgt ca. 454 g (7000 gr). Die Daten in dieser G1-Tabelle wurden experimentell ermittelt und dienen als Standard. Genauer: die Luftwiderstandskräfte wurden bei verschiedenen Geschwindigkeiten gemessen und als numerischer Wert angegeben. Dies bedeutet, daß alle ballistischen Berechnungen für ein anderes Geschoß Vergleichwerte zu diesem Standard sind. Wenn man nun die Restgeschwindigkeit eines beliebigen Geschosses bei einer bestimmten bekannten Entfernung mißt, kann man den Vergleichswert zum entsprechenden G1-Standard ausrechnen. Dieser Vergleichswert ist der "Ballistische Koeffizient" (BC). Der BC des Original-Modellgeschosses ist 1, und da Schützen normalerweise mit wesentlich kleineren Kalibern schießen, liegen die hier interessanten BCs natürlich unter 1. Bei großkalibrigen Gewehren liegen die BCs der Geschosse etwa zwischen 0,18 und 0,45. Jedes Geschoß hat einen anderen BC, und dieser ist auch bei ein und derselben Waffe nicht konstant, sondern kann, wie auch die Mündungsenergie für Schuß zu Schuß geringfügig schwanken. Vereinfacht gesagt ist der BC eine Kombination von Aerodynamik und Masse. Letztere wird in Kombination mit der Schwerkraft zu Gewicht, doch in diesem Fall handelt es sich um das Verhältnis von Gewicht zu Kaliber, die man "Querschnittsbelastung" (Sectional Denstity, SD) nennt.

Ian Pellant führt nun eine Reihe guter Argumente an, warum man in der Luftgewehrballistik den BC ignorieren kann und er meint, dieser sei nur für die Artillerie wichtig. Als Wiederlader weiß ch, daß dies so krass natürlich nicht stimmt, denn für präzise Berechnungen von z. B. Gewehrgeschoßflugbahnen etc. ist er mit Sicherheit wichtig. Wenn man sich nun ein Diabolo betrachtet und es mit einem 0.30-Gewehrgeschoß oder gar mit dem G1-Modellgeschoß vergleicht, fallen doch drastische Unterschiede auf. Diabolo-BCs liegen zwischen 0,0100 und 0,0350. Jim Baumann, der U.S.-Luftgewehrballistik-Guru ist da ganz anderer Meinung als Ian Pellant. Er hält den BC für extrem wichtig. Er hat ein spezielles Luftgewehr-Ballistikprogramm geschrieben, das er zusammen mit einer sehr guten Anleitung und einem Büchlein "Pellets and Ballistics" für US$ 65,- vertreibt. Es lohnt sich, die Homepage seiner Firma namens "Lame Rabbit" (Lahmes Kaninchen) zu besuchen. Dort wird nicht nur das Programm vorgestellt sondern man findet auch außer einem Konterfei von Jim u. a. eine Fülle nützlicher Hinweise zur Luftgewehr-Ballistik. Also: http://ourworld.compuserve.com/homepages/LameRabbit/ heimsuchen!

Jim Bauman hat eine Methode entwickelt, die Geschwindigkeit von Diabolos an zwei verschiedenen Entfernungspunkten zu messen, und so hat er für praktisch alle auf dem Markt befindlichen Diabolos die BCs bestimmt.. Sei Programm ARB95 unterscheidet sich von den meisten anderen Ballistikprogrammen dadurch, daß es bei BC Eingaben mit 4 Dezimalstellen zuläßt. Doch dau später mehr.

Damit will ich es genug sein lassen. Da kaum jemand heute noch ballistische Tafeln mit mathematischen Formeln auf Papier oder mit dem Taschenrechner erstellen wird, ist das bisher geschriebene sowieso nur von akademischen Interesse Trotzdem: es ist sicherlich gut, diese Grundlagen zu wissen. und man wird es durch sie auch leichter haben, mit den Fachausdrücken in ballistischen Computerprogrammen umzugehen.

COMPUTERPROGRAMME ZUR BERECHNUNG BALLISTISCHER DATEN:

Es gibt eine Unmenge kostenloser Ballistikprogramme. die man sich aus dem Internet herunterladen kann. Eine wirklich umfassende Sammlung solcher Links findet sich in der deutschsprachigen italienischen Homepage "Ballistik". Ich habe die meisten davon ausprobiert und war nicht sehr begeistert. Ich will hier vier Programme besprechen und ein fünftes ohne große eigene Erfahrungen vorstellen. Ich besitze diese Programme und habe mit den vier erstgenannten viel herumgespielt und verglichen. Meine Einschätzungen sind natürlich subjektiv; ich bin auch kein Experte, aber ein erfahrener Wiederlader und Hobby-Ballistiker, der gerne Computerberechnungen mit der rauhen Wirklichkeit vergleicht. Nun aber zur Sache.

Als erstes sollte ich noch einige Fachbegriffe erklären. In den meisten Ballistiprogrammen kann man folgende Ergebnisse erhalten: Flugbahn, Flughöhe zur Visierlinie, Fallhöhe zur Visierlinie, Fallhöhe, Geschwindigkeit, Energie und Windabweichung. Die drei letzten brachen nicht erklärt zu werden, doch die anderen sind nicht auf den ersten Blick glasklar. Das folgende Bild hilft aus diesem Dilemma und man kann dort leicht erkennen, was mit diesen Ausdrücken gemeint ist.
 


 

Als erstes will ich AIRGUN 7,0,0 von Ian Pellant besprechen. Man bekommt es als Download, wie oben schon angegeben, bei http://www.hsv.tis.net/~ispellan/Software.html . Das Programm läuft nur 30 Tage, wenn man es nicht registrieren läßt. Diese Registrierung ist aber nicht mit Kosten verbunden; Ian möchte nur wissen, wer sein Programm benutzt. Man bekommt per Email eine Registrierungsnummer und alles ist o.k.. Man kann es natürlich auch immer wieder neu herunterladen. Das Programm ist einach, aber m. E. gut. Es läuft unter Windows 95/98. Man kann sich die Flugbahn, die Geschwindigkeit und die Energie in Tabellenform und als Graphik darstellen lassen. Außerdem steht eine Winkelminutentabelle zur Zielfernrohrjustage und eine Zielkorrekturtabelle zur Verfügung. Die wichtigsten Diabolosorten sind schon in einer Diabololiste vorhanden, die man erweitern kann. Man kann zwischen metrischen und imperialen Einheiten wählen, was ein großer Vorteil ist. Ein Zusatzmodul dient der Erstellung von individuellen Zielscheiben. Alle Tabellen, Graphiken und Zielscheiben können in guter Qualität ausgedruckt werden. Ein besonderes Schmankerl ist die Möglichkeit, über die serielle Schnittstelle direkt Daten aus CHRONY-Chronographen (Details über diese später) zu übernehmen und in die Berechnung zu geben. Ein Zusatzmodul dient der Einstellung des CHRONY. Das ist also doch recht viel für gratis und franko. Es stellt sich natürlich die Frage, was das Programm leistet. Immerhin wird ja der BC ignoriert. Ich kann aus vielen Vergleichsversuchen sagen, das sich AIRGUN 7.0.0 nicht verstecken muß. Zwar liegen die mit ihm errechneten Werte durchweg etwas niedriger als die mit den anderen von mir benutzten Programmen erzielten, doch -wie so oft im Leben- scheint die Wahrheit in der Mitte zu liegen. Viele praktische Schießversuche haben nämlich gezeigt, daß letztere alle etwas zu hoch rechen. Ich denke, daß AIRGUN 7.0.0 sicherlich mehr ist als ein "geschenkter Gaul".

Als nächstes kommt Air Rifle Ballisticts 95, ARB95, von Jim Bauman dran. Auch dieses Programm läuft unter Windows 95/98 (-wie alle übrigen auch-). Man muß es kaufen, doch auch bei dem gegenwärtigen unverschämten Dollarkurs ist es mit ca. DM 135,- incl. Porto und Verpackung doch noch recht preiswert. Einen Eindruck kann man bei http://ourworld.compuserve.com/homepages/LameRabbit/ bekommen. Wenn man es kaufen will, schickt man Jim nach Absprache am besten das Geld in Scheinen in einem Einschreibebrief, denn die Auslandsüberweisungsgebühren der Banken sind ungeheuerlich. Auf meinen drei Computern füllt ARB95 den Bildschirm nicht aus, obwohl im Handbuch steht, daß es dies täte. Doch das ist nur Kosmetik. Es hat mit einer sehr guten Benutzerführung alle Funktionen eines vollwertigen Ballistikprogramms. Graphiken sind mit Paintbrush bearbeitbar und lassen sich in akzeptabler Qualität ausdrucken. Seine wirklich starken Seiten sind die vielen BCs und die in der nahezu kompletten Diabololiste stehen, die man m. W. woanders überhaupt nicht erfahren kann. Ein Nachteil des Programms ist, daß es nur mit imperialen Einheiten arbeitet. Diesen hat Jim aber in der neuesten Version korrigiert: man kann jetzt zwischen metrischen und imperialen Einheiten wählen. Ich habe das Update noch nicht, doch es soll unterwegs sein. Wenn ich es ausprobiert habe, werde ich dies hier verkünden.

Ballistikprogramm Nr. 3 ist das vom Internationalen Waffenmagazin VISIER vertriebene VISIER SHOT 2.0.1 Mit einem Preis von DM 92,- ist es ein Schnäppchen, denn das Preis-Leistungsverhältnis ist ausgezeichnet. Eigentlich ist das Ballistikprogramm nur ein Modul von vieren (Ballistik, Wettkampf, Wirkung, Parameter). Es benutzt ebenfalls BCs und beinhaltet eine Geschoßdatenbank, die auch viele Diabolos enthält. Die Möglichkeiten der graphischen Darstellung lassen nichts zu wünschen übrig, und man kann sogar ganz kreativ seine Kurven selbst einfärben. Besonders schön ist, daß man mehrere Laborierungen bzw. verschiedene Diabolos aus der gleichen oder verschiedenen Waffe vergleichend in einer Graphik darstellen kann. Ein Textverarbeitungsmodul sorgt für eine ansprechende und -das hängt natürlich vom Benutzer ab- informative Titelseite. Ach hier steckt noch ein Schmankerl drin: die Trefferlagen bei unterschiedlichen Entfernungen lassen sich auf verschiedenen vorhandenen oder maßstabsgerecht selbst eingescannten Zielscheiben darstellen. Leider lassen sich diese Trefferbilder nicht ausdrucken (allenfalls über Printscreen, was ich aber nie ausprobiert habe). Ich arbeite mit diesem Programm ausgesprochen gern und kann es wirklich uneingeschränkt empfehlen. Bestelladresse: Paul Parey Zeitschriftenverlag GmbH & Co. KG, VISIER-Leserservice, Postfach 1363, D-56373 Nassau. Email: vertrieb@paulparey.de . Kostenlose Hotline (Mo - Fr 8 - 18 Uhr 0800-7285727).

Als letztes Programm stelle ich "QuickTarget" von H. Broemel vor. Dieses ist separat nicht erhältlich, denn es ist ein Anhang des Innenballistikprogramms "QuickLoad". Hierfür muß man etwas tiefer in die Tasche greifen; ich habe vor einiger Zeit DM 298,- bezahlt. QuickLoad ist für jeden ernsthaften Wiederlader m. E. unverzichtbar. Auch wenn der Autor über QuickTarget sagt, es gäbe da bessere Software (da stapelt er sicher tief), halte ich dieses Programm für das beste auf dem deutschen Markt. Es bietet praktisch alles, was das Herz begehrt und die Ausdrucke der Ergebnisse sind vorbildlich. Das folgende Bild zeigt, wie das aussieht und was das Programm kann. Bei den Graphikausdrucken kann man unter zahlreichen Optionen wählen. Auch hier kann man Schußbilder sehr komfortabel auf wählbare Zielscheiben oder Rasterscheiben mit variabler Skalierung darstellen. Hierbei wird die voreingestellte Absehenkorrektur in Klicks, die Winddrift und die Aswirkung von Verkantung dargestellt. Man kann sogar das Zielfernrohrabsehen wählen. Die Graphik ist ausdruckbar. Leider kann man keine eigenen Scheiben eingeben, doch das ist wegen der universell verwendbaren Rasterscheiben eigentlich auch nicht notwendig. Dieses Programm ist für mich der "Rolls Royce" unter den Ballistikprogrammen. Bezugsquelle: Dipl.-Ing. H. Broemel. Schopenhauerstraße 18, D-63303 Dreieich. M. W. ist das Programm auch über die Firma Kettner lieferbar

Bei "Waffen Online" kann man sich über "Software zum Download" ein weiteres Ballistikprogramm kostenlos herunterladen: Projektil 2 von R. Becker. Er arbeitet mit BC. Ich habe bislang noch keine Zeit gehabt, einen wirklich aussagekräftigen Vergleichstest zu machen, doch was es ausspuckt, scheint wirklich brauchbar zu sein. Es produziert auch sehr übersichtliche Graphiken. Ich werde irgendwann hierzu noch etwas an dieser Stelle hinzufügen.

Im Internet gibt es auch eine Seite "Ballistik für Schützen und Jäger". Es kohnt sich, dort einmal hineinzuschauen.

Alle diese Computerprogramme sind Schall und Rauch, wenn man nicht über gewisse basale Daten verfügt. Das Geschoßgewicht ist leicht zu erfahren oder zu ermitteln, doch bei der notwendigen Bestimmung der Mündungsgeschwindigkeit hapert es dann meist. Hierzu braucht man nämlich einen Chronographen (besser ausgedrückt: ein Chronoskop) mit dem man die Mündungsgeschwindigkeit messen kann. Solche Geräte werden später noch vorgestellt. Die Preisspanne liegt hier zwischen DM 100.- und ein paar Tausendern.

VBs ANMERKUNGEN:

Ich persönlich denke, daß solche Computerprogramme und Geräte etwas für spezielle Freaks sind, die viel experimentieren und testen. Ich gehöre zu diesen, sonst hätte ich diese Rubrik nicht geschrieben. Für das praktische FTS haben sie eigentlich keine immense Bedeutung. Was ist das denn, wenn der FTS-Schütze sein Zielfernrohr auf die verschiedenen Entfernungen eineicht? Er erstellt eine ballistische Tabelle! Das kann er noch mit einer zweiten oder dritten Waffe tun, und er kann verschiedene Diabolosorten verwenden. Wenn das einmal gemacht ist, braucht eigentlich nichts mehr zu passieren. Die Sache mit der Seitenwindkompensation ist sowieso eine Wissenschaft für sich. Wer schleppt denn ständig einen Windgeschwindigkeits- und Windrichtungsmesser mit sich herum? Hier hilft sowieso nur praktische Erfahrung.

Übehaupt: die Luftgewehrballistik ist, so glaube ich, bislang nur bis zu einer Distanz von 50 m richtig untersucht. Wie man weiß, erhält das Diabolo durch den Drall der Züge im Lauf eine Rotation, die die Flugbahn stabilisieren soll. Man weiß, daß es eine gewisse Zeit dauert, bis diese Stabilisierung eingetreten ist, und daß man mit einem 16,3-Joule-Luftgewehr auf 50 m schöne runde Löchlein stanzen kann. Versucht man das auf 100 m, dann erhält man, sofern man die Scheibe überhaupt trifft, recht unregelmäßig geformte Löcher und "Pilze", die beweisen, daß die Diabolos quer einschlugen. Die ballistische Berechnung sagt aber, daß das Diabolo ca. 150 m weit fliegen muß. So erhebt sich bei mir -und auch bei anderen, die mehr von der Materie verstehen als ich- der Verdacht, daß die leichten und aerodynamisch ungünstig geformten Diabolos in der zweiten Hälfte der Flugbahn anfangen zu trudeln, sich überschlagen und viel eher am Boden sind als das Ballistikprogamm ausgerechnet hat. Praktische Versuche sind hier sehr schwer, und eigentlich hilft hier nur eine Hochgeschwindigkeitskamera. Doch was soll diese, wenn man nicht weiß, wohin man sie plazieren soll?? Jim Bauman hat mir von einem Versuch mit einem 27 Joule-Luftgewehr berichtet: sein Schießplatz liegt an einem See, der etwa 300 Yards breit ist, und am anderen Ufer stehen Wochenendhäuser, deren Bewohner Angst vor den Diabolos hatten. Also wurde über das Wasser geschossen; horizontal und mit verschiedenen Abgangswinkeln. Das Auftreffen der Diabolos auf der Wasseroberfläche konnte man gut beobachten. Die weiteste Schußentfernung betrug ca. 150 Yards, also weniger als 150 m. Das Ballistikprogramm zeigt uns aber, daß das Diabolo ca. 210 m weit fliegt. Tut es aber nicht, denn auch ich habe selbst vergleichbare Experimente gemacht, die eindeutig zeigen, daß die Diabolos längst nicht so weit fliegen wie sie eigentlich sollten. Nun ja, beim FTS sind ja nur Entfernungen bis maximal 50 m interessant, aber ganz so einfach ist das nicht. Wenn nämlich kein Kugelfangwall vorhanden ist, muß man für eine ausreichende Sicherheitszone hinter der Maximaldistanz sorgen! Ich weiß, daß Schießstandsachverständige sich gegenwärtig mit genau dieser Frage befassen und man glaubt mir nicht. Nun ja, irgendwann muß dies dann eben ganz offiziell mit einem Schießexperiment überprüft werden.

ANHANG: CHRONOGRAPHEN, CHRONOSKOPE

Wie oben schon erwähnt, baucht man zur Bestimmung der Mündungsgeschwindigkeit spezielle Geräte, Chronographen, die man besser Chronoskope nennt, weil man in der Regel die Meßwerte auf einer Anzeige abließt. Es handelt sich in der Regel um lichtempfindliche elektronische Sensoren (z. B. Phototransistoren), die in der Lage sind, ein über sie hinweg fliegendes Geschoß "wahrzunehmen". Alternativ werden auch Inrarotlichtschranken verwendet. Wenn man nun zwei solcher Sensoreinheiten so hintereinander aufstellt, daß sie eine Meßstrecke bilden, kann man die Zeit messen, die das Geschoß zum Durchfliegen der Meßstrecke braucht und daraus seine Fluggeschwindigkeit in m/sec errechnen. Plaziert man die erste Sensoreinheit direkt an der Mündung, was bei Luftgewehren leicht machbar ist, kann man die Vo direkt bestimmen. Auch preiswerte Geräte verfügen intern über erstaunliche Funktionen. Sie speichern ganze Schußserien ab, errechnen die Standardabweichung, den Durchschnitt aller Messungen usw. usw.. Sie haben auch meist ein Computerinterface, so daß ein Computer die Meßwerte direkt übernehmen kann. Ich selbst besitze zwei solche Geräte. Das erste ist ein CHRONY Beta. Die CHRONY-Geräte gibt es in verschiedenen Ausführungen bzw. Ausstattungen zu Preisen zwischen DM 100,- und 400,-. Ich habe meines vor einigen Jahren bei der Firma HEGE-Zeughaus gekauft. Im Gegensatz zu anderen habe ich mit dem CHRONY beste Erfahrungen gemacht. Die mit ihm erzielten Meßwerte hielten den Vergleich mit einem viel teureren Gerät leicht stand. Es ist einfach zu handhaben und sehr robust aufgebaut. Es hat sogar schon Treffer aus nächster Nähe abbekommen und es funktioniert immer noch bestens. Ein nicht wegzudiskutierender Nachteil ist, daß es nicht mit Leuchtstofflampen-Licht funktioniert. Mich stört das wenig, weil ich meine Messungen meist unter freiem Himmel bei schönem Wetter durchführe. Unter Dach kann man sich aber leicht mit Autobirnen behelfen, die man mit einer Gleichspannungsquelle betreibt.

Ein sehr schönes neues und speziell für Luftdruckwaffen entwickeltes Chronoskop ist das COMBRO-cb-625 . Dieses winzige Gerät wird direkt über eine justierbare Halterung mit einem Gummiband vor der Mündung angebracht. Die Meßstrecke ist nur ca. 6,5 cm lang und das Diabolo passiert zwei Infrarotlichtschranken. Es wird von zwei kleinen Knopfzellen mit Spannung versorgt. Das Anzeigefeld befindet sich direkt am Gerät und gibt wahlweise die Vo oder die Eo aus. Man kann zwischen metrischen und imperialen Meßeinheiten wählen. Besonders pfiffig ist die Möglichkeit, die jeweilige legale Obergrenze (also bei uns 7,5 Joule) abzuspeichern. Wenn die Messung höher ausfällt. meldet das Gerät "ILLEGAL". Ich war wegen der kurzen Meßstrecke etwas skeptisch, doch die bisher erzielten Erebnisse sind weitgehend mit denen mit dem CHRONY erzielten vergleichbar. Für größere Meßserien würde ich das CHRONY-Gerät vorziehen, doch für den schnellen Einsatz auf dem Schießplatz ist es ideal. Außerdem ist es unabhängig von der Umgebungsbeleuchtung einsetzbar. Das Gerät kostet hier im Fachhandel ca. DM 150,-. In England bekommt man es trotz des horrenden Wechselkurses des Britischen Pfundes viel billiger: incl. Porto ca, DM 98,-. Zum COMBRO-cb-625 kann man ein Kabel zur Anbindung an die serielle Schnittstelle eines Computers zu kaufen. Für Bastler gibt es einen Schaltplan gratis. Die dazu passende Software kann man herunterladen (s. o.). Mir gefällt dieses Gerätchen sehr gut, und ich habe es immer in meiner Schießausrüstung.

Ein weiteres Chronoskop, das ich zwar persönlich nicht kenne, aber von Experten hoch gelobt wird, ist der CED Millennium-Chrongraph, der für DM 450,- bei der Firma IFS Shooting Supplies, Gartenstraße 16, 56727 St. Johann, Tel. 02657-71553, Fax ....-71554, erhältlich ist. Auf dem Markt in den U.S.A. sind m. W. die Geräte der Firma OEHLER führend.

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