
FIELD TARGETS
Es sind die Ziele, die FTS den Namen gaben. Alle haben gemeinsam, daß eine "Kill (Hit) Zone" durch ein verschieden großes Loch (meist 40, 25 oder 15 mm) getroffen werden muß. Ein hinter dem Loch befindlicher Mechanismus bewirkt dann, daß dieser nach hinten kippt und darurch das eigentliche Ziel freigibt, das dann durch Federzug oder -druck ebenfalls nach hinten umfällt. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu erreichen, und der Phantasie des Konstrukteurs sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt nur zwei eiserne Regeln: 1. ein Treffer auf das eigentliche Ziel darf dieses nicht umwerfen und 2. ein Treffer auf die Kill Zone muß es zum Kippen bringen. Es ist auch prinzipiell gleichgültig, aus welchen Material die Ziele gefertigt sind. Normalerweise haben FTS Seilzüge, die auch an der Frontplatte angebracht sein können, und die an der Feuerlinie enden und von dort aus bedient werden. In den U. S. A. gibt es viele Variationen von FTs: Alligatoren, Waschbären, Rieseninsekten, Schildkröten, Schlangen u. v. a., also nicht nur Tiere, die man normalerweise mit dem Luftgewehr jagt. M. W. gibt es dort keine "offiziellen" Ziele, wenn doch, dann sind diese extrem vielfältig. In GB ist man da nicht ganz so locker. Für Clubwettkämpfe ist zwar offenbar alles erlaubt, was Spaß macht, doch die BFTA gibt -obwohl nicht in der Schießordnung festgelegt- für Regional- und Nationalwettkämpfe bestimmte Ziele vor bzw. schließt manche aus. Soweit ich informiert bin verwendet man Ratte, Krähe, Elster, Kaninchen und den "Moon", eine runde Scheibe mit fester oder verstellbarer Kill Zone. Es gibt in GB mehrere Hersteller, doch die "Favourites" sind die FTs der Firma NOCKOVER, die aus lasergeschnittenen Stahlteilen bestehen und mit wirklich ausgefeilter Technik zuverlässig funktionieren. Diese FTs sind in allen besseren britischen Waffenhandlungen für ca. DM 50.- bis 70,- erhältlich. Erstaunlich: die Firma NOCKOVER ist ein 1-Mann-Betrieb. Mr. Derek Peckover betreibt dieses weltweite Geschäft als Nebenjob. Er ist selbst ein engagierter und erfolgreicher FT-Schütze, und ich konnte seine "Werkstatt", seine exzellenten FTS-Gewehre und seine zahlreichen Trophäen selbst bei einem Besuch bewundern. Er versendet seine FTs mit der Post, man kann sie auch bei ihm selbst abends abholen und über Zahlungsmodalitäten evtl. günstige Preise aushandeln. Ich habe letzteres getan und bei meinem Besuch viel von ihm gelernt. Er produziert auch noch viele andere FTs als die genannten: raffinierte Silhouetten, Sperlinge etc. mit "Wiederauferstehungszone", Kopfschuß-Tauben, eine "laufende Ratte" u. v. a... Besonders interessant für das Training ist sein Ultimate Target, bei dem der Wiederauferstehungsschuß für ein 40 mm-Ziel wahlweise durch eine 15, 25 oder 40 mm "Revival"Zone gehen muß. Die nicht auf diese Weise wiederbelebten Ziele werden -wie bereits mehrfach gesagt- durch eine Leine von der Feuerlinie aus wiederaufgerichtet. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Zielen werden die von NOCKOVER von der Tiersilhouette aufgerichtet. Dort ist unter dem Kill Zone-Loch die Schnur mit einem Angelwirbel angebracht, der ein Verdrillen verhindert. Die Schnur ist eine sehr gute gedrillte Hochsee-Angelschnur aus orangefarbenem Polyäthylen (CARDOLENE) und ist 50 m lang. Sie ist zusammen mit einem "Aufwickler" im Preis des FT enthalten, ebenso wie vier "Heringe", mit denen es sicher am Boden befestigt werden kann. Alle NOCKOVER-FTs sind sehr schön koloriert und können leicht mit Sprühlack aufgefrischt werden, wenn sie durch zu viele Fehlschüsse unansehnlich geworden sind. Ich kann verstehen, daß diese FTs in GB zum Standard wurden. Sie sind auch in den U. S. A. sehr beliebt. Dies alles engt aber individuelle Bastelambitionen und innovative Ideen nicht ein. Es ist ja gerade einer der faszinierendsten Vorteile des FTS: man kann der Phantasie ohne Einschränkungen freien Lauf lassen, zumindest auf Clubebene. In Deutschland gibt es m. W. bislang keine kommerziellen Hersteller, aber erfolgreiche "Heimwerker".
Ein NOCKOVER Target: der Rabe mit 40 mm Killzone. Man erkennt deutlich den Angelspinner, der das Verdrillen der Aufrichtleine verhindert (links). Wir der "Löffel" getroffen, fällt die Silhouette um (mittig), Der Seilzug richtet sie wieder auf (rechts).
Der Auslöse-Kippmechanismus ist einfach: ein Treffer treibt den Löffel nach hinten und die vorne an die Silhouette drückende Feder wirft diese um (links). Das "Ultimate Target" ist ein Wiederauferstehungsziel mit zwei Trefferzonen (mittig). Der clevere Mechanismus sorgt dafür, daß die umgeschossene obere Platte durch einen Treffer auf die untere wieder aufgestellt wird (rechts).
Ich denke, daß ich demnächst auch einige der skurrileren amerikanischen FTs kaufen kann, um eine größere Auswahl zu haben und um mehr Überblick zu gewinnen. Eigene Ideen sind auch schon vorhanden.
Eine Anregung ist außerdem, das "Silhouette Shooting" in das FTS einzubinden. Diese Sportart entstand für Feuerwaffen zwischen 1910 und 1920 in Mexiko und hat sich von dort schnell über die U . S. A. ausgebreitet. Man schießt mit großkalibrigen Gewehren oder Spezialpistolen/revolvern auf unterschiedlich große Distanzen mit Zeitlimit auf schwere stählerne Silhouetten von Widder (Ram), Wildschwein (Wild Pig), Truthahn (Wild Turkey) und Hühnchen (Desert Chicken), die bei einem Treffer umfallen müssen. In den U. S. A. gibt es diese Schießdisziplin ganz offiziell auch für Luftgewehr incl. Meisterschaften auf mehreren Ebenen. Da ich häufig beruflich in den U. S. A. bin, betreibe ich Long Distance Silhouette Shooting mit großkalibrigem Gewehr seit vielen Jahren. Es hat gewisse Ähnlichkeiten mit FTS (ist aber nicht so abwechslungsreich), und ich denke, daß man Luftgewehr-Silhouetten gut in dieses integrieren könnte, wie es Derek Peckover ja auch schon mit seinen Silhoutte-Zielen getan hat. Man könnte insofern ein neues Element in FTS bringen, nämlich das bereits besprochene preiswerte CROSMAN 1077 Repeat Air-Gewehr zu einer "Schnellfeuereinlage" verwenden. Dieses Gewehr hat ein 12-Schuß-Magazin und schießt so schnell, wie man den Abzug durchziehen kann. Ich habe zu dieser Waffe eigene und kommerzielle Tuning-Hinweise. CROSMAN liefert auch für ca. DM 20.- pro Satz sehr schöne Luftgewehr Silhouetten.

Mein "aufgemotztes" Crosman 1077 Repeat Air (VB-Rathunter).
Folgender Wettkampf hat sich bewährt und ist ganz schön schwierig: es werden jeweils 5 der vier verschiedenen Zielarten nebeneinander in 15 m Entfernung von der Feuerlinie aufgestellt. Pro Ziel ist ein Schuß erlaubt. Geschossen wird in vier unterschiedlich langen Sequenzen, zwischen denen nachgeladen werden kann. Das Zeitlimit für Widder ist 15 sec., für Truthahn 20 sec., für Wildschwein 25 sec. und für Hühnchen 30 sec.. Dies ist allerdings schon eine Übung für Fortgeschrittene; die Zeiten kann man verlängern. Solche Spiele bringen noch mehr "Action" in einen Wettbewerb und dies ist ja gottseidank nicht verboten. FTS "German Style"! Gute neue Ideen sind notwendig und immer willkommen.
Der BDS, das internationale Waffenjournal VISIER und die Firma Haendler & Nattermann haben je einen "Satz" (jeder ausreichend für einen kompletten Parcours) gekauft und stellen diese m. W. kostenlos leihweise Vereinen zur Verfügung, die FTS-Wettkämpfe ausrichten wollen. Dies ist eine wertvolles Hilfe für die FTS-Startphase in Deutschland, und den Sponsoren sei herzlichst an dieser Stelle gedankt. Trotzdem geht es an keinem Verein, der ernsthaft FTS betreiben will, vorbei, sich irgendwann selbst eine ausreichend große Anzahl von Zielen zu beschaffen.
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